Vertrauensbildung als Schlüssel zum Frieden

Für das Wohlergehen Europas und zur Bewältigung der Ukraine-Krise  müssen die EU-Länder nicht nur mit der Ukraine, sondern auch mit Russland, kooperieren. Denn neben der  Ukraine ist auch  Russland  ein  unmittelbarer  Nachbar  der  EU.  Die Abhängigkeit  zwischen  Russland und der EU-Staaten ist enorm, da Russland beispielsweise in seinem Staatshaushalt stark auf die Einnahmen der eigenen Gas- und  Ölexporte  angewiesen  ist.  Die  EU  hingegen  ist  von  der  russischen  Energie abhängig und engagiert sich finanziell bei den Unternehmen des Landes.

Das  Ziel  sollte  es  also  sein,  dass  eine  friedliche  Lösung  gefunden  wird,  die  allen Beteiligten zu Gute kommt. Dieses Ziel kann jedoch nur durch einen Dialog erreicht werden.

Zum  einen  soll  der  Dialog  zwischen  den  Regierungen  der  beteiligten  Staaten erfolgen.  Die  Verantwortung  dafür  trägt  dieses  Jahr  ganz  besonders  Deutschland, welches den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) übernommen hat. Mit dem OSZE-Vorsitz fungiert Deutschland als Vermittler, dessen  Aufgabe  es  sein  sollte  den  Dialog  aller  Teilnehmerstaaten  langfristig  zu stärken.

Zum anderen ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit, sprich die Bürger der involvierten Länder, wieder Vertrauen zu einander finden. Deutschland hat stets eine bedeutende Rolle für die russische Bevölkerung gespielt. Seit dem Ukraine-Konflikt hat sich die Beziehung zwischen Deutschland und den USA intensiviert. Auf Grund dieser Entwicklung fühlt sich die russische Bevölkerung von der deutschen verraten. Doch auch die Wahrnehmung der Deutschen gegenüber der russischen Bevölkerung hat sich negativ verändert. Sie entwickeln eine Art Furcht gegenüber der russischen Bevölkerung.  Das  Vertrauen  verschwindet.  Die  Krise  wirkt  sich  besonders  auf  die deutsch-russische Wirtschaftsbeziehung aus. Zahlreiche  deutsche  Unternehmen weigern  sich  mit  den  russischen  Firmen  weiterhin  Geschäfte  abzuschließen. Natürlich  hängt  das  auch  mit  den  gegenseitigen  Sanktionen  zusammen,  die inzwischen  ihren  Höhepunkt  erreicht  haben.  Doch auch  der  Mangel  an gegenseitigem Vertrauen ist ausschlaggebend.

Es stellt sich die Frage, wie das Vertrauen wieder hergestellt werden kann? 

Ein  möglicher  Lösungsansatz  wäre  es  die  Kommunikation  der  russischen, ukrainischen  und  deutschen  Bevölkerung  untereinander  zu  verbessern.  Es  ist außerordentlich  wichtig,  dass  gerade  die  drei  Nationen  in  den  Dialog  treten  und Deutschland als Vermittler zwischen den beiden Ländern fungiert. Denn die Ukraine und  Russland  sehen  Deutschland  nach  wie  vor    als  eines  der  stärksten  und kommunikativsten  Länder.  Die  mehrtägigen  Konferenzen  sollen  einen  informellen und  einen  formellen  Teil  beinhalten.  Sie  ermöglichen  gegenseitige  Verständigung und  erfolgreichen  Dialog  zuerst  auf  der  persönlichen  und  dann  auf  der  politischen und wirtschaftlichen Ebene.

Wie  gut  eine  solche  mehrtägige  Plattform  funktionieren  kann,  zeigt  die  „Deutsch-Russische Young Leaders Konferenz“. Sie findet jährlich abwechselnd in Russland und  Deutschland  statt.  Dabei  versammeln  sich  russische  und  deutsche Nachwuchskräfte aus  den  Bereichen  Politik,  Wirtschaft,  Wissenschaft,  Kultur  und Medien.  Die  dreitägige  Konferenz  enthält  neben  kulturellen Aktivitäten auch Diskussionen, welche  für  die  momentane  Russland-Deutschland  Beziehung  signifikant  sind.  Im Zentrum  der  diesjährigen  Konferenz  in  Kasan  stand  die  Frage:  Wie  das  deutsch-russische  Vertrauen  angesichts  der  schwierigen  Lage  wiederhergestellt  werden kann? Diese Fragestellung wurde in sieben parallel stattfindenden Gruppen diskutiert. Was  sehr  gut  beobachtet  werden  konnte  war,  dass  das  gegenseitige  Interesse, Kontaktfreudigkeit  und  Vertrautheit  gegenüber  der  anderen  Kultur  vorhanden  war. Die Teilnehmer haben versucht auf der persönlichen Ebene gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, die die Interessen beider Länder zufrieden stellen kann.

Warum kann man nicht noch mehr ähnliche vertrauensbildende Konferenzen organisieren? 

Dabei soll es um Konferenzen nicht nur für Geschäftsleute, Wissenschaftler und Politiker, sondern für verschiedene  Berufs-  und  Altersgruppen gehen.  Es  ist  wichtig,  dass  viele  diverse Bevölkerungsschichten  in  einen  Dialog  treten  und  gegenseitiges  Vertrauen aufgebaut werden kann. Denn nur so kann der Wille entstehen in schwierigen Zeiten humanitäre Hilfe zu leisten.

Besonders soll der Fokus auf Schüler und Studenten der beteiligten Länder gelegt werden. Sie befinden sich in einem permanenten Lernprozess und sind noch auf der Suche  nach  individuellen  Potenzialen  und  nach  eigenen  Stärken.  Durch  die mehrtägigen Konferenzen wird das Verständnis zwischen den Kulturen schon in den jungen  Jahren  positiv  beeinflusst.  Es  werden  neue  Freundschaften  und  neue Lösungswege für das zukünftige Zusammenleben entstehen. Die Beteiligten können durch den informellen Teil nicht nur die anderen Teilnehmer privat kennenlernen, um ihre  Ansichtsweisen  besser  nachvollziehen  zu  können,  sondern  auch  den  Saat  in dem sie leben.

Evgenia LaznikEvgenia Laznik ist 22 Jahre alt, Kommunikation und Medienmanagement Studentin, Praktikantin bei WIESE CONSULT und Teilnehmerin der Deutsch-Russischen Young Leaders Konferenz.

 

Ein Gedanke zu “Vertrauensbildung als Schlüssel zum Frieden

  1. Prof. Dr. rer. pol Carl-Heinz Tretner says:

    Liebe Frau Laznik,

    Ihr Ansatz kann die nötige strategische Abrüstung unterstützen – aber erhoffen sie sich nicht eine Vermittlerrolle der deutschen Regierung in der Ukraine-Krise. Die deutsche Regierung ist in diesem Konflikt Partei zugunsten der Ukraine geworden. Sie hat das Nato Raketenprogramm an der russischen Grenze unterstützt. Deutsche Kampfflugzeuge sind an der an der russischen Grenze stationiert. Deutsche Soldaten bilden nicht nur die „Speerspitze“ einer multinationalen schnellen Eingreiftruppe gegen Russland, sondern auch die Bundeskanzlerin führt die Allianz der Westmächte gegen die ihrer Meinung nach „verbrecherische“ Krim-Politik Russlands an (Moskau 10. Mai 2015). Die deutsche Regierung achtet darauf, dass Russland weiterhin mit Sanktionen belegt wird, doch die Nichterfüllung des Minsker Abkommens durch die Ukraine ahndet sie nicht. Wie mir ein russischer Kollege berichtete haben auch deutsche wissenschaftliche Einrichtungen den Kontakt zur russischen Akademie der Wissenschaften abgebrochen.

    Ich kann also gut verstehen, dass sich die russische Bevölkerung verraten fühlt. Aber das sollte nur in Bezug auf die deutsche Regierung gelten. Trotz des seit 2-3 Jahren laufenden Putin-Bashings durch die deutschen Medien haben sich große Teile der deutschen Bevölkerung viel Sympathien für Russland bewahrt. Es haben sich auch bereits politische Parteien formiert, die das Vertrauen zwischen unseren beiden Ländern zurückgewinnen wollen.

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